Feuerbrandbekämpfung - aktueller Forschungsstand

Index | Baumschutz

Bild durch Mausklick vergrößerbar!

Monilia-Triebwelke
Symptome der Monilia-Triebwelke können leicht mit Feuerbrand verwechselt werden

Nach dem Erstauftreten in Deutschland 1971 und in Österreich 1993 können erste Erfahrungen bei Bekämpfungsmaßnahmen zusammengefasst werden.

Befallskontrollen

Als wichtigste Maßnahme hat sich das umfassende Befallsmonitoring durch eigens dafür geschulte Beauftragte herauskristallisiert. Feuerbrandinfektionen erfolgen über die Blüten oder über Verletzungen (Schnittwunden, Hagelwunden u. dgl.). Für eine Infektion über die Blüte werden länger andauernde Temperaturen von 15°C bis 18°C und eine gewisse Feuchtigkeit (Niederschlag, auch stärkerer Tau reicht aus) benötigt. Aus verschiedenen Prognosemodellen errechnen sich daraus kritische Infektionszeitpunkte. Ausgesprochen günstige Infektionsbedingungen herrschen meist nur einige Tage im Mai. Danach werden intensive Befallskontrollen durchgeführt, um bei Auffinden von Feuerbrandsymptomen rasch reagieren zu können, was wesentlich über die Qualität der Gegenmaßnahmen entscheidet.

Feuerbrandsymptome sind leicht mit der harmloseren Monilia-Triebwelke zu verwechseln. Gewissheit kann nur eine Laboruntersuchung (für Österreich: Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit; für Deutschland: Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft) bringen.

Bekämpfungsmaßnahmen

Nach Bestätigung des Verdachts auf eine Feuerbrandinfektion müssen befallene Pflanzen oder Pflanzenteile entfernt und vernichtet werden. Der Ausschnitt von Ästen ist nur bei geringem Befall im äußeren Bereich der Krone zu empfehlen. Befallene Äste müssen nämlich mindestens 0,5 m - besser 1 m - in den gesunden Bereich zurückgeschnitten werden. Bei Befall in Stammnähe ist es für einen Gesundschnitt schon zu spät. In vielen Fällen ist eine Rodung der ganzen Pflanze unumgänglich.

Zusätzlich zu den Kontroll- und Schnittmaßnahmen wird der Einsatz eines Antibiotikums versuchsweise getestet. Dieses Mittel mit einem hohen Wirkungsgrad wird während der Blüte ausgebracht und zum gegenwärtigen Zeitpunkt als am besten geeignet für die Feuerbrandbekämpfung eingestuft. Aufgrund möglicher Antibiotikumrückstände im Honig, welchen Bienen nach Bestäubung behandelter Blüten produzieren, ist eine Zulassung des Mittels heftig diskutiert. Seitens der Befürworter wird mit dem Hinweis auf Unbedenklichkeit ein Grenzwert von 100 Mikrogramm im Honig gefordert (zum Vergleich: bei Milch liegt der Grenzwert bei 200 Mikrogramm, bei Fleisch bei 500 Mikrogramm). Die Gegner sehen insbesondere ein Imageproblem, da Honig als reines Naturprodukt einen entsprechenden Ruf zu verteidigen hat.

Entwicklung

Neben Kontrollen beim Warenverkehr mit Feuerbrandwirtspflanzen (Amtlicher Pflanzenschutzdienst), um die Verbringung von infiziertem Pflanzgut zu unterbinden, ist das sofortige Reagieren auf Feuerbrandbefall mit professionellen Schnitt- oder Rodungsmaßnahmen die wichtigste Bekämpfungsmaßnahme. Blüteninfektionen sind aufgrund bestimmter Witterungsbedingungen nur an wenigen Tagen im Jahr möglich, eine Infektion über Hagelschlag ist gefährlicher, weil flächendeckend auch im Sommer möglich. Birnbäume sind anfälliger als Apfelbäume, auch Sortenunterschiede existieren. Bei Ziergehölzen wurden besonders Anfälligkeiten bei Ziermispel (Cotoneaster sp.) und Weißdorn (Crataegus sp.) beobachtet. Besonders im Garten sollte darauf Rücksicht genommen werden. Alternativpflanzen und resistentere Arten (Sorten) können bei Gärtnereibetrieben und Baumschulen erfragt werden.


siehe dazu auch Artikel: Feuerbrand - Die gefährliche Bakterienkrankheit breitet sich auch in Österreich aus

Andreas Pfister