Erstfund der Pseudomonas - Rindenkrankheit der Rosskastanie in Wien/Österreich

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Exsudatfluss (Saftaustritt)
Exsudataustritt am Stamm

Exsudatfluss (Saftaustritt)Exsudataustritt am Stamm

Exsudatfluss (Saftaustritt)Exsudataustritt am Stamm

Absterbendes GewebeAbsterbendes Gewebe unter der Rinde

Exsudataustritt KroneExsudataustritt im Kronenbereich

In einem Gastgarten einer Brauerei wurden an aus Norddeutschland importierten, frisch gesetzten rotblühenden Rosskastanien (Aesculus carnea ´Briotii´) im Herbst 2013 schwarzbraune Teerflecken (Exsudataustritt) sowie Risse an der Rinde im Stammbereich, teilweise auch im Kronenbereich festgestellt. Nachdem Phytophthora sp. im Labor als Verursacher ausgeschlossen werden konnte, lag der Verdacht nahe, dass die bislang in Österreich noch nicht nachgewiesene Bakterienkrankheit Pseudomonas syringae pv. aesculi der Verursacher der Schäden sein könnte.

Im Mai 2014 wurde der Erreger an frisch gezogenen Proben durch die europäische Spezialistin, Frau Dr. Werres vom JKI (Julius Kühn Institut in Braunschweig/Deutschland) eindeutig identifiziert.


Beschreibung des Erregers

Pseudomonas syringae pv. aesculi ist ein Bakterium, das nachweislich Schäden an Rosskastanien verursacht, die letztendlich zum Absterben der betroffenen Bäume führen können. Der gefährliche Schadenserreger wurde in Europa bisher in Belgien, Frankreich, Deutschland, UK, Irland, Niederlanden, Norwegen, Tschechien und Ungarn nachgewiesen, nicht jedoch in Österreich.

Die Verbreitungsepidemiologie ist noch weitgehend unbekannt. Aus der wissenschaftlichen Literatur ist jedoch bekannt, dass das Bakterium über Spritzwasser bzw. Regenabfluss verbreitet werden kann. Andere Infektionswege sind die direkte Übertragung durch Schnittwerkzeuge bei der Durchführung von Pflegemaßnahmen, vielleicht auch über Insekten.

Nach der Infektion wird das Kambial- und Phloemgewebe unter der Rinde geschädigt. In der Folge kommt es im Frühjahr zu einem „Bluten“ bzw. Exsudatausfluss aus der Rinde, der zuerst farblos, später rostbraun wird. Mit zunehmenden Temperaturen trocknet der Bakterienschleimfluss aus und es entstehen schwarzbraune, krustenförmige Rindenbelege. Im Herbst setzt mit sinkenden Temperaturen und höherer Luftfeuchtigkeit neuerlich das “Bluten“ ein. In den Folgejahren werden kleinere Blätter, Blattvergilbung, sowie kümmerlicher Austrieb und Rindennekrosen begleitet von breiten Rissen beobachtet.

Woher kommt der Befall?

Es ist anzunehmen, dass die aus Norddeutschland gelieferten Kastanienbäume bereits vor dem Eintreffen in Wien befallen waren, auch wenn bei der Abnahme der Bäume keine Symptome festzustellen waren.

  1. Dafür sprechen drei Umstände:
    Pseudomonas syringae pv. aesculi wurde bis zum heutigen Zeitpunkt in Österreich noch nie nachgewiesen und konnte trotz intensiver Suche im Umkreis der gepflanzten Bäume auch an älteren Rosskastanien nicht gefunden werden.
  2. Von der Lieferung bis zum ersten deutlichen Auftreten von Schadensymptomen sind nur wenige Wochen vergangen.
  3. Das Bakterium ist unter höheren Sommertemperaturen inaktiv. Das erklärt auch, warum vorher keine Schadensymptome bei Lieferung und Abnahme der Bäume zu sehen waren. Bereits 2-3 Monate nach dem Versetzen der Bäume wurden schwarzbraune Teerflecken in großer Zahl beobachtet.

Maßnahmen

Um eine Weiterverbreitung der gefährlichen Krankheit zu verhindern, wurden alle Rosskastanien einschließlich Wurzelballen gerodet und thermisch entsorgt.

Bei Verdacht

Wenn derartige Schadenssymptome an Rosskastanien beobachtet werden, sollte der zuständige Pflanzenschutzdienst des Bundeslandes in jedem Fall informiert werden.


Christian Tomiczek, 11/2015