Die Zickzackblattwespe an Ulme: Ein neuer Schädling

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Fraßspuren
Fraßspuren © Ewald Altenhofer

BlattwespenlarveBlattwespenlarve © Stephan M. Blank

Die Zickzackblattwespe oder auch Asiatische Ulmenblattwespe (Aproceros leucopoda) ist eine ursprünglich aus Ostasien stammende Art, die erstmals im Jahr 2003 in Polen und Ungarn gefunden wurde. In den darauffolgenden Jahren folgten Meldungen aus Österreich, der Slowakei, Italien, Slowenien, Deutschland (2011 Passau, 2014 Raum Berlin) und anderen Staaten. Da die Zickzackblattwespe noch nicht im gesamten Ulmenverbreitungsgebiet auftritt, sind Meldungen an das Bundesamt und Forschungszentrum für Wald über ihr Vorkommen erbeten (bernhard.perny@bfw.gv.at).

Biologie und Schaden

Der Schaden wird durch die Larve in Form von Blattfraß verursacht. Wie der Name Zickzackblattwespe schon vermuten lässt, frisst die Larve an Ulmenblättern mal nach links, mal nach rechts, wodurch die namensgebenden, zickzackförmigen bzw. schlangenförmigen Fraßspuren entstehen. Später bleibt vom Blatt nur noch die Mittelrippe übrig. Von der Zickzackblattwespe sind keine Männchen bekannt, die Vermehrung erfolgt ungeschlechtlich. Die Generationsdauer vom Ei bis zur fertigen Blattwespe dauert 4 Wochen. Es werden pro Jahr 4 Generationen gebildet, dadurch hat die Art allein schon von ihrer Anzahl großes Schadenspotential, was bis zum Kahlfraß führen kann. Die Entlaubung kann dabei bereits Anfang Juli eintreten. In der Regel treibt die Ulme dann zwar wieder aus, allerdings werden auch die neuen Blätter weiter befressen.

Ausblick und Bekämpfung

Nachdem bereits das Ulmensterben große Schäden bei dieser Baumart verursacht, kommt nun ein weiterer, ebenfalls eingeschleppter Schädling dazu und führt durch den Blattfraß zu einer Baumschwächung. Dadurch könnten befallene Bäume durch den Vitalitätsverlust für das Ulmensterben anfälliger werden.

Die Blattwespen sind gute Flieger und können dadurch ihr Verbreitungsgebiet aus eigener Kraft rasch ausweiten. Darüber hinaus spielt eine Ausbreitung entlang von Verkehrswegen als „blinder Passagier“ in Fahrzeugen ebenfalls eine Rolle. Denkbar wäre auch eine Verbreitung über Baumschulen bzw. Pflanzenimporte.

Derzeit sind noch keine natürlichen Gegenspieler bekannt, welche die Zickzackblattwespe im Gleichgewicht halten. Eine Insektizidbehandlung der Blätter kommt als Bekämpfungsmöglichkeit im Garten oder öffentlichem Grün in Frage. Da dies mit hohem Aufwand verbunden ist und auch nur vorübergehend wirkt, ist diese Option aber nur in starken Befallsjahren praktikabel. Da die Überwinterung als Kokon in der Bodenstreu erfolgt, könnte dieser Weg mit feinmaschigen Netzen unter dem Baum (ähnlich wie bei der Walnussfruchtfliege) erschwert werden, was aber keine Auswirkungen auf Zuflug von außen hat.


Andreas Pfister, 9/2015