Verstärktes Auftreten des Eschenbastkäfers

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weißer Bohrmehlauswurf
Weißer Bohrmehlauswurf

Brutbild Eschenbastkäfer
freigelegtes Brutbild (Klammergang)

bunter Eschenbastkäfer (Imagines)
Bunter Eschenbastkäfer

Seit einigen Jahren werden Eschen von einem Triebsterben geschädigt. Dabei bringt ein Pilz (Chalara fraxinea, die ungeschlechtlichen Form des falschen weißen Stengelbecherchens - Hymenoscyphus pseudoalbidus) Triebe zum Absterben. Im schlimmsten Falle entstehen so viele tote und geschädigte Äste, dass der ganze Baum abstirbt (siehe dazu Hauptartikel über das Eschentriebsterben). In weiterer Folge wird nun eine Zunahme eines Schädlings beobachtet, der bisher als relativ harmlos gegolten hat: dem Eschenbastkäfer.

Lebensweise

Neben dem großen schwarzen Eschenbastkäfer (Hylesinus crenatus), dem kleinen schwarzen Eschenbastkäfer (Hylesinus oleiperda) ist der kleine bunte Eschenbastkäfer (Leperisinus varius) am häufigsten und aggressivsten. Der kleine bunte Eschenbastkäfer fliegt von März bis Mai zur Brutanlage in Eschen unterschiedlicher Dimension. Alte Bäume werden zu Beginn meist im Kronenbereich attackiert. In der Regel werden 2 Muttergänge angelegt, die an einen fliegenden Vogel erinnern (doppelarmiger Quergang, Klammergang), von denen nach oben und unten die Larvengänge ausgehen. Ab Juli/August erscheinen die Jungkäfer. Diese vollziehen einen Reifungsfraß in lebenden Eschen. Dabei entstehen unregelmäßige Wucherungen, die an Eschenkrebswucherungen erinnern. Häufig erkennt man aber sogar die Fraßgänge von außen. In den Reifungsfraßgängen überwintert der Käfer. Eschenbastkäfer galten bisher als harmlos, sie befielen kränkelnde oder frisch abgestorbene Eschen (auch Brennholz).

Zunahme der Schäden

Seit dem Jahr 2008 mehren sich Schäden, bei denen gesunde Eschen vom Eschenbastkäfer erfolgreich besiedelt und zum Absterben gebracht werden. Darüber hinaus wurden in zahlreichen kränkelnden Eschen ebenfalls Bastkäfer gefunden und auch Reifungsfraßwucherungen werden häufiger registriert. Eschenbastkäfer können sich in kränkelnden Bäumen offenbar fast ungehindert vermehren. In weiterer Folge steigt nicht zuletzt durch den Reifungsfraß auch in gesunden Eschen die Gefahr, dass diese Bäume vom Eschenbastkäfer erfolgreich besiedelt werden können. Das Eschentriebsterben als Vorschädigungsfaktor kann daher Wegbereiter für Eschenbastkäfer sein.

Maßnahmen

Die verstärkte Schädigung der Esche durch das Eschentriebsterben schafft verbesserte Brutbedingungen für Eschenbastkäfer. Als Maßnahme empfiehlt sich die rechtzeitige Entfernung befallener Bäume, wenn die Käfer und Bruten noch im Baum sind. Besonders die Monate Mai und Juni sind hier für Bekämpfungsmaßnahmen enorm wichtig, da ab Juli die Jungkäfer zum Reifungsfraß ausfliegen. Auf diese Reifungsfraßwucherungen ist ab Sommer zu achten, da die Käfer hier überwintern und deren Anzahl einen Überblick über die Populationsdichte geben. Eschenbrennholz sollte nicht in der Nähe lebender Eschen gelagert werden.


Andreas Pfister, 7/2011