Blausiebbefall - welche Gefahren können entstehen?

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Blausieb
Blausieb (Schmetterling)

Blausiebraupe
Raupe im Fraßgangquerschnitt

Blausiebraupe
Raupe kriecht aus dem Fraßgang

Blausiebfraßgang
Fraßgang im Holz

Blausieb
Schmetterling nach dem Schlüpfen

Pheromonfalle
Phermonfalle

Im Zuge von Baumkontrollen und Überprüfungen der Standsicherheit von Bäumen wurden in den letzten Jahren sehr häufig Bohrlöcher mit einem Durchmesser von 1 cm vom Blausieb (Zeuzera pyrina) diagnostiziert. In Wien mussten aufgrund eines sehr massiven Befalls im Jahr 2006 mehr als 150 Bäume einer Allee aus Sicherheitsgründen gefällt werden.  Die sehr gefräßigen Raupen der holzbohrenden Schmetterlingsart können sich in fast allen Laubhölzern entwickeln. In Mitteleuropa werden vor allem Ahorn, Ulme, Eiche, Erle, Esche, Edelkastanie, Birke und zahlreiche Obstbäume befallen.

Bisher wurde dieser Holzbohrer niemals in großem Ausmaß vorgefunden, meist waren nur einzelne Äste oder Stammabschnitte von den Larven befallen. In diesen Fällen reichte die Entfernung der betroffenen Stellen (Gesundschneiden) aus. Es waren keine weiteren Maßnahmen mehr erforderlich.

Die schädigende Wirkung einer Besiedelung eines Laubbaumes ist primär auf den intensiven Fraß der Raupen im Bastgewebe und im Holzkörper von lebenden Bäumen gegeben.

Die Raupengänge sind etwa 20 cm lang. Im Zuge des zweijährigen Entwicklungszyklus können von einer Raupe auch mehrere Raupengänge angelegt werden. Je größer die Raupe wird (spätes Raupenstadium), umso stärkere Äste bzw. Stammabschnitte werden ausgehöhlt.

Für den Baum bewirkt der Raupenfraß:

  • eine Beeinträchtigung des Saftstromes,
  • Infektionsgefahr durch Wundfäulepilze
  • eine Beeinträchtigung der Bruchfestigkeit

Aus diesem Grund sind vor allem junge sowie wenig vitale oder gestresste Bäume besonders gefährdet und können sogar absterben. Besonders nach Trockenjahren konnte in der Vergangenheit verstärkter Blausieb-Befall mit entsprechenden Baumschäden beobachtet werden.

Ein Blausiebbefall kann auch den Befall durch diverse Insekten wie Prachtkäfer, Borkenkäfer oder Hornissenglasflügler zur Folge haben.

Maßnahmen

Zur Überwachung und Quantifizierung der Population können zur Zeit des Falterfluges (Juni-August) Pheromonfallen eingesetzt werden. Es werden jedoch nur Männchen gefangen und außerdem muss man die mehrjährige Entwicklung berücksichtigen.  Die Methode führt bei großflächigem Befall und hoher Populationsdichte zu keinem gesicherten, kurzfristig wirksamen Bekämpfungserfolg.

Als Bekämpfungsmaßnahme wird bei rechtzeitiger Erkennung des Befalles (Raupen befinden sich noch im Holz) das Abschneiden betroffener Äste empfohlen. Das Entfernen der Äste oder im Falle einer starken Schädigung das Fällen des gesamten Baumes wird vor allem aus Sicherheitsgründen, um Unfälle durch Stammbruch oder Astbruch vorzubeugen, empfohlen.

Es gibt keine wirkungsvollen alternativen Bekämpfungsmethoden zur akuten Bekämpfung des Blausiebes. Weder Insektizidanwendungen noch biologische Verfahren kommen für eine erfolgreiche Bekämpfung dieses im Holz verborgenen Schädlings in Frage.

Als wichtigster natürlicher Feind gilt der Specht, er kann aber die Einbohrung der Larven und damit die Schädigung des Baumes nicht verhindern.


Hannes Krehan; 12/2006