Besonders häufige Schädlinge und Krankheiten an Jungbäumen und wie sie zu beurteilen sind

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Rindenquetschung
Rindenquetschung durch unsachgemäßes Herausheben des Baumes

Rasenmäherschaden
Rasenmäherschaden

Prachtkäferbefall
Zurücksterben der Krone nach Prachtkäferbefall

Faktor Mensch

Der bedeutendste „Schädling“ für den Jungba um ist der Mensch selbst. Durch Unterlassungen aber auch durch eine Reihe unüberlegter Handlungen kommen jährlich mehr Jungbäume im Städtischen Grün zu Schaden als durch andere Krankheiten und Schädlinge zusammen. So werden z.B. minderqualitative Jungbäume ausgeliefert, Fehler bei Verladung, Transport, Pflanzung und Pflege gemacht. Die betroffenen Bäume kränkeln und werden von Schwächeparasiten besiedelt. Anstatt die solcherart geschädigten Pflanzen rechtzeitig durch neue zu ersetzen, siechen sie am Standort dahin und werden ihr Leben lang ein „Pflegefall“ bleiben.

Schwächeparasiten

Wie schon eingangs erwähnt, sind vor allem Sekundärschädlinge, die für einen erfolgreichen Befall eine Vorschwächung der Wirtspflanze benötigen, besonders häufig an Jungbäumen anzutreffen. Naturgemäß führt die Umstellung von der bestversorgten Baumschulpflanze zum Jungbaum am neuen Standort zu einer Stresssituation, die sich z.B. auch im Jahrringverlauf beobachten bzw. messen lässt. Gerade auf diese Phase der allgemeinen Schwächung sind eine Reihe von Insekten und Pilze spezialisiert, die die verminderten Abwehrfähigkeiten für einen erfolgreichen Befall nutzen.

Insekten

Prachtkäfer werden besonders häufig an frisch verpflanzten Bäumen festgestellt. Die meist 5 – 11mm großen, oft metallisch glänzenden, lang gestreckten Käfer bevorzugen besonnte oder geschädigte Rindenteile zur Eiablage. Die „ koch löffelartigen“ Larven fressen zuerst in den äußeren Rindenschichten, anschließend „schlängelnde“ Gänge zwischen Bast und Splintholz, die eine Länge von bis zu 75 cm erreichen können. Durch die ausged ehn ten Larvengänge wird der absteigende Saftstrom unterbunden und der Jungba um stirbt ab. Häufig folgen Regressansprüche an den Baumschullisten, und es stellt sich die Frage, die an Hand der Art und Größe des Schädlings nur vom Spezialisten beantwortet werden kann: „Wurde der Schädling aus dem Baumschulquartier mitgeliefert, oder wurde der Baum erst am Standort befallen?“ Bekämpfungsmaßnahmen an den bereits befallenen Bäumen sind nicht zielführend, wohl aber vorbeugende Maßnahmen wie optimale Wasser- und Nährstoffversorgung der gesetzten Bäume, Vermeidung von Setzfehlern, etc.

In jüngster Vergangenheit wurde der Grüne Lindenbock (Saperda octopunctata) mehrfach an frisch gesetzten Linden verschiedener Arten festgestellt. Alle befallenen Bäume wiesen erhebliche Vorschäden auf, die den typischen Schwächeparasiten begünstigten.

Eine auffallende Zunahme ist auch bei Schäden an verschiedenen Laubgehölzen durch das Blausieb (Zeuzera pyrina), einen Schmetterling, zu beobachten. Der weibliche Falter legt im Juni/Juli seine Eier an Stammwunden oder Rindenrisse. Die bis zu 6 cm lang en, gelblichen Larven mit schwarzen Punkten durchlöchern den Stamm junger Bäume oder Starkäste, wobei diese meist kränkeln, seltener absterben.

An frisch versetzten Koniferen sind vor allem verschiedene Borkenkäfer, aber auch Bockkäfer (z. B. Thujenbock) häufig als Schädling anzutreffen. Borkenkäfer können je nach Witterung und Temperatur meist mehrere Generationen pro Jahr entwickeln und sind so besonders schädlich.

Vor allem durch unsachgemäße Pflanzung, Pflege und Baumverankerung kommt es in der ersten Phase des Anwachsens des Jun gba umes zum Absterben von Teilen des Wurzelsystems und in der Folge auch von oberirdischen Baumteilen. Eine ganze Reihe saprophytischer Pilze ist darauf spezialisiert, diesen Umstand auszunützen und die solcherart vorgeschädigten Teile zu besiedeln. Die Rotpustelkrankheit, der Hallimasch und der Gemeine Spaltblättling sind die häufigsten Vertreter bei den Laubgehölzen, der Rotfäulepilz, verschiedene Schüttepilze sowie die Phomopsis -Krankheit bei den Nadelgehölzen.

Eine Besonderheit stellen jene Krankheiten dar, die in zunehmendem Maße aus den Baumschulquartieren mitgebracht werden. Durch prophylaktische Fungizidanwendung während der Pflanzenanzucht kann das Ausbrechen der Krankheit verhindert werden. Nach einem Versetzschock oder schlechten Anwuchsbedingungen treten die Schadenssymptome relativ bald auf. Bei während des Anwuchses optimal gepflegten Bäumen kann es jedoch Jahre dauern, bis erste Schadenssymptome sichtbar werden. Die Verticillium – Welkekrankheit, aber auch die Phytophthora – Krankheit sind typische Beispiele für derartige Infektionen, die aus den Baumschulquartieren mitgebracht werden.


Christian Tomiczek; 06/2005