Efeubewuchs an Bäumen – gefährlich oder harmlos?

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Kronensymptome
Bruchschaden durch Efeu mitverursacht

Rindensymptome
Efeubewuchs

Pilzsporen von Cryptostoma
Bruchschaden

Schwarzfärbung der Blätter durch Pilzsporen
Bruchschaden

Der Efeu (Hedera helix) ist ein beliebter Kletterstrauch, der mittels Haftwurzeln an Mauern, aber auch an Bäumen hochzuklettern vermag. Vielfach wird diese "Schlingpflanze" an Bäumen toleriert, manchmal ist sie sogar als "immergrüne Zweitbelaubung" für den winterkahlen Laubbaum erwünscht.

Efeu als Schadfaktor?

Häufig stellt sich der Baumbesitzer die Frage, ob nun der Efeu für den betreffenden Baum unbedeutend oder eher als schädlich einzustufen ist. In der einschlägigen, deutschsprachigen Fachliteratur ist darüber nichts zu finden, bei den Fachleuten selbst geht die Meinung diametral auseinander.

Im heurigen Jahr haben sich alleine in Wien zwei Baumstürze mit erheblichen Sachschäden ereignet, die in direktem Zusammenhang mit Efeubewuchs stehen. Die beiden betroffenen Altbäume (Götterbaum U100: 285 cm; Robinie U100: 195 cm) hatten einen hohen Totastanteil, aber in der Vegetationsperiode vor dem Schadensereignis noch eine (schüttere) grüne Belaubung aufgewiesen, was die Baumbesitzer nicht an der Stand-/Bruchsicherheit der Bäume zweifeln ließ. An beiden Stämmen waren z. T. "armstarke" Efeustränge vorhanden, die bis in die Krone reichten. Die Stämme selbst waren bis auf wenige Zentimeter Restwandstärke durch Holzfäulepilze zersetzt. Deutlich war in beiden Fällen erkennbar, dass der Efeubewuchs in den Bereichen, wo die Holzstränge am Stamm entlang wuchsen, bereits zu Wachstumsstörungen geführt hatte (Eindellungen). Allerdings stellt sich die Frage, ob dies bei einer Routinekontrolle aufgefallen wäre.

Es scheint, dass der Efeubewuchs ab einer gewissen Stärke der Holzstränge den absteigenden Assimilatfluß erheblich einschränken kann und solcherart den Baum praktisch "abwürgt". Da solche Prozesse nicht von heute auf morgen stattfinden, werden die beeinträchtigten Teile des Wurzelsystems von Fäuleparasiten befallen und können sich in derart geschwächten Bäumen rasch ausbreiten. Eine rasche Reduktion der Stand- und Bruchsicherheit ist die Folge.

Maßnahmen:

Bäume mit Efeubewuchs hinsichtlich Stamm- und Wurzelfäule untersuchen; Efeu entfernen.


Christian Tomiczek; 12/2004