Bodenverdichtung und -anschüttung

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Bodenverdichtung

Im Baustellenbereich ist die Lagerung von Baustoffen, Werkzeugen, Baumaschinen, Containern und Bauhütten in unmittelbarer Stammnähe direkt über dem Wurzelteller ein häufig beobachteter Schadenseinfluß. Die oft tonnenschwere Lagerung führt zu Bodenverdichtung.

Lasten führen zu BodenverdichtungÄhnlich anderen Wurzelschäden treten die ersten Schadenssymptome häufig erst nach Ablauf einer Vegetationsperiode, oder gar erst nach Jahren auf. Durch die Bodenverdichtung nimmt das Porenvolumen ab. Die Wurzelatmung reduziert den O2-Gehalt in der wurzelnahen Bodenschicht und der CO2-Gehalt steigt.

In der Folge kommt es zum allmählichen Absterben von Bodenlebewesen, welche für die Aufbereitung der Nährelemente eine vorrangige Bedeutung haben. Der solcherart gestörte Nährstoffkreislauf muß sich zwangsläufig negativ auf den Vitalitätszustand der betroffenen Bäume auswirken. Überdies kann weniger Wasser in die zusammengepreßten Poren eindringen bzw. gehalten werden, akuter Wassermangel entsteht und weitere Teile des Wurzelsystems sterben ab. Das Wurzelsystem benötigt für seine "Arbeit" Energie zur Ausbildung des Wurzelperiderms. Durch die Unterversorgung der Bäume werden bestehende Energiereserven aufgebraucht - bei fortgesetztem Streß können die natürlichen Prozesse nicht länger ablaufen - Wurzelpathogene und andere Baumschädlinge bekommen die "Oberhand" und führen letztendlich zum Tod der Pflanze.

Kronenverlichtung durch Anschüttung
Kronenverlichtung wegen Bodenverdichtung als Folge einer Anschüttung

Anschüttung im Zuge von Bauarbeiten
Anschüttung während Bauarbeiten

Bodenverdichtend wirkt sich auch das Befahren der durchwurzelten Baumscheiben mit schweren Baufahrzeugen aus. Eine 1988 in der BRD durchgeführte Studie zeigte eine signifikant niedrigere Produktion von Fein(Saug-)wurzeln im Bereich des befahrenen Bodens gegenüber nicht befahrener Bodenschichten.

Weiters kann es insbesondere in tonreichen Böden zur Ausbildung von Bodenverdichtungszonen auch in tieferen Bodenschichten kommen und "Staunässe" verursachen. Dies führt zum Abfaulen bestimmter Wurzelhorizonte - zumindest vorübergehend zur Verminderung der Standsicherheit - und zu Teil- oder Totalschädigung der betroffenen Bäume.

Da das Wurzelsystem bei ein und derselben Baumart sich unter verschiedenen Standortsbedingungen unterschiedlich entwickelt, muß der Schaden von Fall zu Fall bzw. von Baum zu Baum gesondert begutachtet werden.
Als gegen Bodenverdichtung "besonders empfindliche" Baumarten gelten: Birke, Buche, Kirsche und Fichte (mehrmaliges Befahren des Wurzelbereichs von Buchen mit schweren Baufahrzeugen genügt, um den Baum zum Absterben zu bringen).

Anschüttung

Die Anschüttung von Erdmaterial im Stamm- bzw. über dem Wurzelbereich ist ähnlich zu beurteilen, wie der Schaden durch Bodenverdichtung. Die Erdlast bewirkt eine Verringerung des Porenvolumens, der O2-Gehalt sinkt, während der CO2-Gehalt steigt. Bodenbakterien, Mykorrhiza und Feinwurzeln sterben ab, die Energiereserven werden aufgebraucht und Pathogene greifen den gestreßten Baum erfolgreich an. Erste Schadenssymptome wie Kronenverlichtung, Vergilbungserscheinungen an den Blattorganen, Kleinblättrigkeit und Rißbildungen im Stammfußbereich treten meist erst Jahre nach der Schädigung auf.